Blumen im Kopf
Prokreatives Potential hat Anna reichlich, kreatives nur in begrenztem Maße. Heute, Sonntag, saß Anna an ihrem Schreibtisch, den Kopf geneigt, die Stirn in Falten, das Bleistiftende zwischen den Zähnen. Nach Abermillionen Synapsenkurzschlüssen dann ein Einfall, so derart originell, dass Leonardo da Vinci im Grabe erblich: Blumen! Und Blätter! Und Ranken!
Anna stülpte sich die Kittelschürze aus Uromas Nachlass über, entwendete die Tapetenrolle, die für hinter dem Kleiderschrank gedacht und somit ohnehin überzählig war, spuckte in die Hände und schnappte sich die Airbrushpistole. Sie schnippelte Schablonen und sprühte und schnippelte und sprühte. Dann schließlich, die Hände blau, die Nase orange und die Mokassins weiß gesprenkelt, aber derart zufrieden mit ihrer Leistung wie sonst nur Männer, denen man antwortet “Galaktisch!”, hielt sie ihr Werk in den Händen. Der Rest war ein Klacks: Auf den Scanner legen, hochladen, im Blog bewundern.
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